Die Idee zum Handbuch

Im deutschsprachigen Raum ist die feministische Debatte um Elternschaft eine in vielerlei Hinsicht fragmentierte Angelegenheit. Die Gründe hierfür sind vielfältig und in einem Wechselverhältnis zwischen institutionalisierten Strukturen und den darin eigebetteten Handlungen der Eltern zu finden. Sowohl Familiengründung und Elternschaft als auch die damit einhergehende Arbeitsteilung werden in den Feministischen Theorien der Gleichheit, der Differenz und in Ansätzen des Konstruktivismus in sehr unterschiedlicher Art und Weise bearbeitet. Dabei schwingen in den derzeitigen feministischen Auseinandersetzungen unterschiedliche feministische Positionen eher unausgesprochen mit. Mit dem Handbuch möchten wir diese impliziten Positionen explizieren und damit die vielfältige Theoretisierung und Positionierung, sprich unterschiedliche feministische Perspektiven auf Elternschaft sichtbar machen.

Die divergierenden feministischen Positionen zu Elternschaft sowie deren Institutionalisierung sind in der deutschsprachigen Forschungslandschaft bislang unbearbeitet geblieben. Wie Elternschaft feministisch gestaltet werden kann, ist auch in den unterschiedlichen feministischen Theorien eine offene Frage. Einig ist man sich weitgehend darin, dass die derzeit vorherrschende Arbeitsteilung zwischen Eltern sowohl Müttern als auch Vätern soziale Rollen zuweist, die sie darin hindern, sich frei zu entfalten. Elternschaft ist damit für Frauen und Männer unterschiedlich folgenreich und wird von Frauen/Müttern und Männern/Vätern folgerichtig ganz unterschiedlich erlebt, was sie zu einem zentralen Austragungsort gleichstellungspolitischer Auseinandersetzungen macht. Dabei überrascht, dass die Einbettung der Konflikte in das kapitalistische Wirtschaftssystem und dessen wertförmige Ausrichtung normalerweise unberücksichtigt bleiben. Elternschaft, motiviert durch den Wunsch nach mehr Gemeinschaft und gedacht als Erlösung von den zahlreichen Zumutungen des Kapitalismus, schlägt um in sein Gegenteil: Vereinbarkeitsprobleme werden zu Paarproblemen, an denen Beziehungen und Familien zerbrechen.

Zum Aufbau

In der ersten Rubrik des Handbuches geht es um die Frage, wie Mutterschaft, Vaterschaft und Elternschaft in unterschiedlichen feministischen Strömungen verarbeitet werden. Gesellschaftliche und staatliche Einflüsse auf das Leben mit Kindern, rechtliche Aspekte der Ausübung von Mutter- und Vaterschaft und deren Anwendung in unterschiedlichen Handlungsfeldern, u.a. der Kinder- und Jugendhilfe, werden in der zweiten Rubrik in den Blick genommen. In der dritten Rubrik des Handbuches dreht sich alles um das Leben mit Kindern und insbesondere um die Frage, wie Eltern familienpolitische Maßnahmen in ihrem Leben verarbeiten. In der vierten Rubrik widmen wir uns schließlich den feministischen Utopien eines guten Lebens mit Kindern und analysieren, welche Herausforderungen aus der Perspektive einer feministischen Familienpolitik bestehen.