Sabine Toppe: Mutterschaft und Prekarität

Anhand ausgewählter historischer und aktueller Diskurse zeichnet dieser Beitrag Umbrüche und Kontinuitäten in Mutterbildern und geschlechtsspezifischen Normalitätskonstrukten im Bereich von Familie nach, die eine zentrale Rolle spielen in Spannungsfeldern prekärer Mutterschaft und nationalen Konzeptionen sozialer Sicherung. Mütter sind aufgrund bestehender Geschlechterordnungen – auch wenn aktuell das hegemoniale Leitbild des männlichen Familienernährers brüchig geworden ist – infolge von Sorgearbeiten und mangelnder Berufsarbeit wie verbreiteter Teilzeitarbeit spezifisch mit Armutsrisiken konfrontiert. Am Beispiel des Mutterschaftsdiskurses der bürgerlichen Frauenbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sowie sozial- und familienpolitischer Berichterstattung im 21. Jahrhundert wird ein Spannungsbogen aufgezeigt, der Mutterschaft als geschlechtlich, sozial und kulturell verorteten Begriff verdeutlicht und auf prekäre Situationen von Müttern verweist.